Noch immer sorgen sich viele Patient:innen, ob Sport die Schmerzen verstärkt oder zu sehr erschöpft. Fachleute berichten jedoch das Gegenteil: In mehreren Studien konnten aerobes Training (z.B. zügiges Gehen, Radfahren) und Kraftübungen typische Beschwerden wie Fatigue, Ängste, depressive Symptome und Schmerzen deutlich verringern. Gleichzeitig verbesserten sich Lebensqualität, Schlaf, Lymphödem-Beschwerden, Ausdauer und Muskelkraft.
Starke Effekte bei Brustkrebs
Besonders eindrucksvoll sind Ergebnisse einer großen europäischen Studie mit Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs. Viele von ihnen befürchteten zunächst, dass Sport die Schmerzen und Erschöpfung verschlimmert.
Unter professionell angeleiteter Bewegungstherapie gingen Fatigue und Schmerzen jedoch signifikant zurück, und das Sexualleben besserte sich. Andere Untersuchungen bestätigen: Regelmäßige, individuell angepasste Bewegung kann helfen, sich wieder belastbarer, stabiler und „mehr wie man selbst“ zu fühlen.
Deutlicher Einfluss auf das Überleben
Eine kanadische Studie mit fast 900 Patient:innen mit Darmkrebs untersuchte, ob ein strukturiertes Bewegungsprogramm nach der Therapie auch das Überleben beeinflusst. Über drei Jahre wurden die Teilnehmenden entweder intensiv zu Bewegung angeleitet oder erhielten nur Informationsmaterial.
Nach im Mittel fast acht Jahren Nachbeobachtung zeigte sich: Das Risiko für Rückfälle, neue Tumoren oder Tod war in der Trainingsgruppe um 28 % geringer. Und nach fünf Jahren waren rund 80% der Aktiv-Gruppe krankheitsfrei – gegenüber etwa 74 % in der Vergleichsgruppe. Auch das Gesamtüberleben nach acht Jahren war mit über 90% gegenüber gut 83% klar besser.
Andere Studien prüfen, ob sich Tumoren durch Bewegung direkt beeinflussen lassen. In Tierversuchen schrumpften Tumoren bei „sportlichen“ Mäusen teils deutlich; beim Menschen sind die Ergebnisse bisher uneinheitlich.
Ein Blick auf die Biologie
Fachleute gehen davon aus, dass Bewegung die Wirksamkeit der Krebstherapie unterstützen kann – etwa über Verbesserungen des Stoffwechsels, der Durchblutung und der Immunfunktion. Wichtig ist, dass Training individuell angepasst wird: an Tumorart, Therapiesituation, Begleiterkrankungen und aktuelle Kraftreserven. Noch immer wissen viele Patient:innen wenig über diese positiven Effekte, und Bewegungsprogramme sind im Alltag vieler Kliniken und Praxen noch nicht fest verankert.
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